Blasenschwäche und ungewollter Harnverlust
Ungewollter Harnverlust ist weit häufiger, als die meisten annehmen – und fast niemand spricht darüber. Dabei lässt sich in den allermeisten Fällen etwas tun. Der wichtigste Schritt ist, das Thema überhaupt anzusprechen.
Kein Schicksal und keine Frage des Alters
Inkontinenz betrifft Frauen wie Männer, jüngere wie ältere. Bei Frauen spielen Schwangerschaften, Geburten und die hormonelle Umstellung eine Rolle, bei Männern häufig die Prostata oder Eingriffe an ihr. Verbreitet ist die Vorstellung, das gehöre eben zum Älterwerden dazu – das trifft nicht zu.
Viele Betroffene richten ihren Alltag still um die Beschwerden herum ein: weniger trinken, Wege nach Toiletten planen, Sport und Treffen meiden. Das verschlechtert die Situation meist, denn zu wenig Trinken konzentriert den Harn und reizt die Blase zusätzlich.
Die häufigsten Formen
Welche Behandlung hilft, hängt davon ab, um welche Form es sich handelt. Deshalb steht am Anfang immer die Abklärung, nicht das Rezept.
Belastungsinkontinenz
Harn geht bei körperlicher Belastung ab – beim Husten, Niesen, Lachen, Heben oder beim Sport. Ein Harndrang geht dem nicht voraus. Ursache ist ein geschwächter Verschlussmechanismus, häufig zusammen mit einem schwachen Beckenboden.
Dranginkontinenz
Ein plötzlicher, kaum zu unterdrückender Harndrang, dem man nicht rechtzeitig nachkommen kann – oft verbunden mit häufigem Wasserlassen, auch nachts. Hier zieht sich die Blasenmuskulatur zusammen, ohne dass die Blase voll wäre.
Mischform
Beides zugleich, in unterschiedlicher Gewichtung. Das ist keine Seltenheit, und die Behandlung richtet sich danach, welcher Anteil im Alltag mehr stört.
Wie die Abklärung abläuft
Die Untersuchung dauert etwa 30 bis 45 Minuten und ist schmerzfrei:
- Gespräch darüber, wann und in welchen Situationen der Harn abgeht
- Ultraschall von Niere und Blase, auch zur Messung des Restharns
- Harnstrahlmessung
- Harnuntersuchung, um einen Infekt als Ursache auszuschließen
- Ausführliches Gespräch über die Behandlungsmöglichkeiten
Hilfreich ist ein Trink- und Miktionsprotokoll: notieren Sie über zwei bis drei Tage, wann und wie viel Sie trinken und wann Sie Wasser lassen. Das sagt oft mehr aus als jede Einzeluntersuchung. Bitte kommen Sie mit voller Blase.
Was hilft
Behandelt wird von der schonendsten Möglichkeit aufwärts. Operationen stehen am Ende der Überlegungen, nicht am Anfang.
- Gezieltes Beckenbodentraining – bei Belastungsinkontinenz oft überraschend wirksam
- Blasentraining und angepasstes Trinkverhalten bei Drangbeschwerden
- Medikamente, die die überaktive Blase beruhigen
- Lokale Hormonbehandlung, wenn die Schleimhaut nach den Wechseljahren dünner geworden ist
- Behandlung der Grunderkrankung, etwa einer vergrößerten Prostata
- Wenn nötig Überweisung für weiterführende Diagnostik oder einen Eingriff
Rasch abklären lassen sollten Sie einen Harnverlust, der plötzlich neu auftritt, mit Blut im Harn, Fieber oder Schmerzen einhergeht oder von Taubheitsgefühlen in Beinen oder Gesäß begleitet wird.
Diese Seite gibt einen allgemeinen Überblick und ersetzt kein ärztliches Gespräch. Welche Form vorliegt und was dagegen hilft, lässt sich erst nach einer Untersuchung sagen.
