Unerfüllter Kinderwunsch – die Abklärung beim Mann

Wenn eine Schwangerschaft ausbleibt, liegt bei etwa der Hälfte der Paare eine Ursache ganz oder teilweise beim Mann. Trotzdem beginnt die Suche oft einseitig. Dabei ist die urologische Abklärung die einfachere von beiden – und sie kann Ihrer Partnerin unnötige Untersuchungen ersparen.

Ab wann eine Abklärung sinnvoll ist

Als Faustregel gilt: wenn nach etwa einem Jahr regelmäßigem, ungeschütztem Geschlechtsverkehr keine Schwangerschaft eingetreten ist. Ist die Partnerin über 35, ist es sinnvoll, schon nach etwa einem halben Jahr nachzusehen, weil dann weniger Zeit für Umwege bleibt.

Früher schauen sollte man, wenn es einen konkreten Anlass gibt – etwa einen Hodenhochstand in der Kindheit, eine Operation oder Verletzung im Bereich der Hoden, eine Chemo- oder Strahlentherapie, wiederkehrende Entzündungen oder eine bekannte Hormonstörung.


Was untersucht wird

Die Untersuchung ist schmerzfrei und dauert etwa 30 bis 45 Minuten:

  • Ausführliches Gespräch über Vorgeschichte, Erkrankungen, Medikamente und Lebensumstände
  • Körperliche Untersuchung von Hoden und Nebenhoden
  • Ultraschall – unter anderem zur Frage nach einer Krampfader am Hoden (Varikozele)
  • Hormonlabor
  • Harnuntersuchung, um eine Entzündung auszuschließen
  • Ejakulatuntersuchung (Spermiogramm) – die Auswertung erfolgt im Labor, Zuweisung und Befundbesprechung übernehmen wir

Am Ende steht ein Gespräch darüber, was der Befund bedeutet und welche Möglichkeiten sich daraus ergeben – auch dann, wenn kein eindeutiger Grund zu finden ist.


Das Spermiogramm richtig einordnen

Das Spermiogramm ist die wichtigste Einzeluntersuchung – und die am häufigsten überinterpretierte. Zwei Dinge sind wichtig zu wissen:

Ein einzelner auffälliger Befund ist kein Urteil. Die Werte schwanken erheblich, auch beim selben Mann. Ein Infekt, Fieber, Stress oder eine ungewöhnlich kurze oder lange Karenzzeit können das Ergebnis verändern. Ein auffälliger Befund wird deshalb wiederholt, sinnvollerweise nach etwa zwölf Wochen – so lange dauert eine vollständige Reifung der Samenzellen.

Auch ein Normalbefund schließt nichts sicher aus, so wie ein auffälliger Befund eine Schwangerschaft nicht ausschließt. Das Spermiogramm beschreibt eine Wahrscheinlichkeit, keine Gewissheit.

Für ein aussagekräftiges Ergebnis wird eine Karenzzeit von etwa zwei bis sieben Tagen empfohlen. Bitte besprechen Sie den Ablauf vorher mit uns.


Mögliche Ursachen

Manche sind gut behandelbar, andere nicht – und bei einem Teil der Paare findet sich trotz vollständiger Abklärung keine Erklärung. Auch das ist ein Befund und schließt eine Schwangerschaft nicht aus.

  • Krampfader am Hoden (Varikozele)
  • Hormonelle Störungen
  • Entzündungen oder durchgemachte Infektionen
  • Hodenhochstand in der Kindheit, auch wenn er behandelt wurde
  • Verschluss der ableitenden Samenwege
  • Erektions- oder Ejakulationsstörungen
  • Medikamente, Anabolika und Testosteronpräparate

Testosteron von außen – als Spritze, Gel oder im Rahmen des Muskelaufbaus – unterdrückt die eigene Samenbildung. Das ist eine der häufigsten vermeidbaren Ursachen und wird oft nicht mit dem Kinderwunsch in Verbindung gebracht. Bitte erwähnen Sie solche Präparate im Gespräch, auch wenn sie nicht ärztlich verordnet wurden.


Was Sie selbst beeinflussen können

Diese Punkte ersetzen keine Behandlung, wirken sich aber messbar auf die Samenqualität aus – und sie brauchen Zeit, weil sich eine Veränderung erst nach etwa drei Monaten zeigt:

  • Nicht rauchen, Alkohol nur in Maßen
  • Übergewicht reduzieren
  • Hitze im Hodenbereich meiden – Sauna, beheizte Autositze, der Laptop auf dem Schoß
  • Keine Anabolika oder Testosteronpräparate ohne ärztliche Abklärung

Zeigt die Abklärung, dass weiterführende Behandlungen nötig sind, erfolgt die Zuweisung an ein Kinderwunschzentrum. Auch dann ist der urologische Befund nicht umsonst gewesen: er bestimmt mit, welcher Weg dort der richtige ist.

Termin für die Abklärung

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Diese Seite gibt einen allgemeinen Überblick und ersetzt kein ärztliches Gespräch. Was in Ihrem Fall vorliegt, lässt sich erst nach einer Untersuchung sagen.